Winterstarre der Schildkröten

Warum müssen meine Landschildkröten eigentlich Winterstarre halten?
Mediterrane Landschildkröten halten die Winterstarre (eigentlich Hibernation genannt) um die Kälteperiode (Winter) zu überbrücken. Die Hibernation gehört also zum natürlichen Jahreszyklus der mediterranen Landschildkröten dazu und muss auch in Gefangenschaft lebenden Tieren, schon ab dem 1. Lebensjahr unbedingt ermöglicht werden.

Grade bei Jungtieren ist die Winterstarre notwendig, da diese sonst viel zu schnell wachsen und daran erkranken. Tiere die von Anfang an eine Hibernation halten, sind widerstandsfähiger, kontrastreicher gefärbt und wesentlich agiler!

Was löst die Winterstarre aus?

Landschildkröten sind wie alle Reptilien wechselwarme Tiere und können sich nur durch äußere Einflüsse erwärmen und abkühlen. Der Stoffwechsel arbeitet bei einer Vorzugstemperatur von ca. 35-37°C am besten. Bei kühleren Temperaturen tritt logischerweise genau das Gegenteil ein. Die Tiere bewegen sich sehr träge und der Stoffwechsel arbeitet nur sehr langsam und unvollständig. Deshalb ist es auch so wichtig, dass die Tiere immer zwischen warmen und kühleren Temperaturen wählen können um sich so auf die Idealtemperatur zu bringen.

Wenn jetzt Temperaturen unter 8°C sinken und die Tage immer kürzer werden, stellen sich die Tiere langsam aber sicher um. Sie stellen nach einer gewissen Zeit die Nahrungsaufnahme ein und fangen an ihren Darm zu entleeren. Wenn die entsprechend niedrige Temperatur von ca. 5°C erreicht wird, "fallen" die Tiere in die Winterstarre und reduzieren ihren Kreislauf/Stoffwechsel auf ein Minimum. Das Herz schlägt bei dieser Temperatur nur etwa 5 Mal in der Minute!

Vorbereitung bei Schlüpflingen im Terrarium

Da alle meine Tiere im Kühlschrank überwintern, ist es empfehlenswert bereits vor der Einwinterung die Temperatur im Inneren des Kühlschrankes auf die erforderliche Temperatur einzustellen. Mediterrane Landschildkröten überwintert man bei 5°C. Die Temperatur sollte nicht unter 3,5°C absinken und nicht über 6,5°C ansteigen.

Woche 1

Die Grundbeleuchtung (also das Tageslicht) sollte noch 8 Stunden angeschaltet sein.
Der Wärmestrahler wird auf 6 Stunden reduziert.
Die Umgebungstemperatur beträgt tagsüber ca. 20°C und nachts ca. 15°C.

Woche 2

Grundbeleuchtung auf 6 Stunden reduzieren.
Wärmestrahler auf 4 Stunden reduzieren.
Umgebungstemperatur tagsüber auf 17°C und nachts auf 12°C reduzieren.
Die Tiere verringern automatisch die Nahrungsaufnahme.

Woche 3

Grundbeleuchtung auf 4 Stunden reduzieren.
Wärmestrahler auf 2 Stunden reduzieren.
Umgebungstemperatur tagsüber auf 15°C und nachts auf 10°C reduzieren. (Notfalls kann man das Terrarium auch in einen kühlen Raum stellen!)
Die Tiere stellen die Nahrungsaufnahme ganz ein bzw. sie bekommen nichts mehr.
Die Tiere werden jeden 3. Tag für ca. 5 min handwarm gebadet um eine Kotabgabe zu provozieren.
Ab der 3. Woche halten sich die Tiere die meiste Zeit verbuddelt im Substrat auf.

Woche 4

Grundbeleuchtung bleibt bei 4 Stunden.
Wärmestrahler wird ganz ausgestellt.
Umgebungstemperatur tagsüber auf 10°C und nachts auf ca. 8°C reduzieren. (Um diese Nachttemperatur zu erreichen stelle ich meine Tiere schon in den Kühlschrank!)
Keine Fütterung mehr!
Die Tiere werden jeden 3. Tag für ca. 5 min handwarm gebadet.
Die Überwinterungsboxen sollten nun schon bereit stehen.

Die 4 wöchige Vorbereitung im Freilandgehege

Tiere ab dem 2. Lebensjahr werden genauso gehalten und dementsprechend auch genauso vorbereitet wie die Alttiere. Wenn die Temperaturen im Freien stetig unter die 15°C Marke sinken, ist bei uns die Zeit gekommen die Tiere in die Schutzhütte zu holen. Dort werden sie dann auf die Winterstarre vorbereitet.

Woche 1

Logischerweise braucht man im Freien die Grundbeleuchtung (Tageslicht) nicht zu reduzieren - dies geschieht automatisch durch die Verkürzung der Tage.
Der Wärmestrahler wird auf 6 Stunden reduziert.
Die Umgebungstemperatur beträgt tagsüber ca. 20°C und nachts ca. 15°C.

Woche 2

Wärmestrahler auf 4 Stunden reduzieren.
Umgebungstemperatur tagsüber auf 17°C und nachts auf 12°C reduzieren.
Die Tiere verringern automatisch die Nahrungsaufnahme.

Woche 3

Wärmestrahler auf 2 Stunden reduzieren.
Umgebungstemperatur tagsüber auf 15°C und nachts auf 10°C reduzieren.
Die Tiere stellen die Nahrungsaufnahme ganz ein bzw. sie bekommen nichts mehr.
Die Tiere werden jeden 3. Tag für ca. 5 min handwarm gebadet um eine Kotabgabe zu provozieren.
Ab der 3. Woche halten sich die Tiere die meiste Zeit verbuddelt im Substrat auf.

Woche 4

Wärmestrahler wird ganz ausgestellt.
Umgebungstemperatur tagsüber auf 10°C und nachts auf ca. 8°C reduzieren.
Keine Fütterung mehr!
Die Tiere werden jeden 3. Tag für ca. 5 min handwarm gebadet.
Die Überwinterungsboxen sollten nun schon bereit stehen.

Durchführung - Einwinterung

Nach diesen 4 Wochen Vorbereitung wird mit einem letzten warmen Bad kontrolliert, ob die Tiere noch viel Kot abgegeben. Wenn dies der Fall ist, muss das Tier noch einen Tag länger "wach bleiben". Wenn nichts bzw. nur wenig Kot ausgeschieden wird, wird das Tier nach dem Bad für einige Stunden zurück ins Terrarium bzw. in die Außenanlage gesetzt, damit es sich wieder abkühlen kann.

Unsere Tiere überwintern in Plastikboxen, welche zu 2 Dritteln mit einem feuchten Gemisch aus Kokosfasersubstrat und Floraton-3 gefüllt sind. In den Boden der Boxen wurden (zur Luftzirkulation) mehrere Löcher gebohrt.

Wenn sich die Tiere mehrere Stunden abgekühlt haben werden sie (am besten abends) in die Überwinterungsboxen auf das Substrat gesetzt und mit einer dicken Schicht aus feuchtem Buchenlaub bedeckt. Damit das Substrat nicht zu schnell abtrocknet, legen wir immer noch ein feuchtes Handtuch über die Boxen. Nun kommen sie in den Kühlschrank. Am nächsten Morgen wird vorsichtig mal kurz nachgesehen ob auch alle ruhen. 2x die Woche wird der Kühlschrank für 20 sek geöffnet damit Frischluft hineingelangt. Die Tiere werden jede 3. Woche vorsichtig gewogen um einen evtl. Gewichtsverlust möglichst frühzeitig zu erkennen. Im Idealfall verlieren die Tiere gar nichts an Gewicht oder nehmen sogar durch die hohe Luftfeuchte ein paar Gramm zu. Das absolute Maximum an Gewichtsverlust beträgt 8 %. Wenn ein Tier mehr als 8% verliert, besteht akute Lebensgefahr und die Überwinterung muss sofort abgebrochen werden. Oft werden die Tiere zu trocken überwintert - daher rate ich immer ein paar feuchte Handtücher zusätzlich in den Kühlschrank zu legen und bei jeder Wiegung das Substrat leicht nach zu feuchten.

Die Dauer der Winterstarre

Für halbjährige Tiere von T.h.hermanni, T.h.boettgeri, T.h.hercegovinensis, T.marginata und T.g.ibera empfehle ich eine Winterstarre von 10 Wochen. Bei adulten Tieren wird die Winterstarre der Art angemessen verlängert.

Die Dauer der Winterstarre richtet sich nach der Art/Unterart und der Herkunft der Tiere:

Testudo hermanni hermanni sollte ca. 3 - 4 Monate Winterstarre halten.
Testudo hermanni boettgeri sollte ca. 4 - 4,5 Monate Winterstarre halten.
Testudo hercegovinensis sollte ca. 4 - 4,5 Monate Winterstarre halten.
Testudo marginata sollte ca. 3 - 4 Monate Winterstarre halten.
Testudo graeca ibera sollte ca. 3 - 5 Monate Winterstarre halten

Beendigung - Auswinterung

Wenn die Temperaturen im Frühjahr langsam wieder über 15 °C ansteigen, stellen wir den Kühlschrank jeden 3. Tag niedriger, sodass die Temperatur im Inneren von 5 °C auf 8 °C bis hinzu 12 °C steigt. Am 4. Tag nehmen wir dann die Überwinterungsbox mit den Tiere heraus und stellen diese in einen hellen aber kühlen Raum, indem die Temperatur tagsüber so um die 15 °C und nachts um die 12 °C ist. Die Tiere werden unterschiedlich schnell wieder agil - Manche bereits am gleichen Tag, Andere wiederum erst nach 3 oder 4 Tagen. Wenn die Tiere nun anfangen herum zu krabbeln und aus der Box wollen, werden sie ins fertig eingerichtete Terrarium überführt, welches ebenfalls in diesem Raum plaziert ist. Adulte Tiere werden logischerweise in ihre Schutzhütte gebracht (siehe weiter unten). Wichtig nach der Winterstarre ist, dass sie die Tiere wiegen und 24 Std. nach dem "Erwachen" für 5 Minuten in ca. 30°C warmem, verdünnten Kamillentee (trinken die Tiere lieber) baden, damit sie ihren Wasserhaushalt wieder ausgleichen können. Bei diesem Bad setzen die Tiere meist auch den ersten Harn ab.

Die Tiere fangen nach wenigen Tagen wieder an zu fressen.

Übergangszeit bei Tieren im Außengehege

Nachdem die Tiere wieder aktiver geworden sind, werden sie (wie oben bereits beschrieben) 5 Minuten in ca. 30° warmem Kamillentee gebadet. Nach diesem Bad gehts in die schon vorbereitete Schutzhütte in der die Temperatur auch wieder langsam nach folgendem Plan erhöht wird:

Woche 1

Der Wärmestrahler wird 2 Stunden angeschaltet, sodass darunter jedoch schon die Vorzugstemperatur erreicht werden kann.
Die Umgebungstemperatur beträgt tagsüber ca. 15°C und nachts ca. 12°C.

Woche 2

Wärmestrahler auf 4 Stunden steigern.
Umgebungstemperatur tagsüber bei 15°C und nachts auf 12°C belassen.

Woche 3

UV-Beleuchtung auf 8 Stunden steigern.
Wärmestrahler auf 6 Stunden steigern.
Umgebungstemperatur tagsüber auf 17°C und nachts auf 15°C erhöhen.

Woche 4

UV-Beleuchtung bleibt bei 8 Stunden.
Wärmestrahler bleibt bei 6 Stunden.
Umgebungstemperatur tagsüber auf 20°C steigern und nachts auf ca. 15°C belassen.